Eine bittere Diagnose erschüttert das deutsche WM-Lager: Nico Schlotterbeck hat sich im zweiten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste (2:1) einen Innenbandriss im linken Sprunggelenk zugezogen. Das gab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach einer eingehenden Untersuchung am Sonntag bekannt. Für den 26-jährigen Innenverteidiger von Borussia Dortmund ist die Weltmeisterschaft damit vorzeitig beendet.
Verletzung bereits in der Frühphase der Partie
Schlotterbeck zog sich die schwere Bänderverletzung schon nach knapp einer Viertelstunde im Zweikampf zu. Obwohl er behandelt wurde und noch Schmerzen verspürte, kämpfte sich der Defensivspieler bis zur Halbzeitpause durch. Zur zweiten Hälfte dann der Wechsel: Bundestrainer Julian Nagelsmann brachte für ihn Antonio Rüdiger von Real Madrid ins Spiel. Die anschließende medizinische Untersuchung bestätigte den schlimmsten Verdacht – ein Innenbandriss, der eine Auszeit von mehreren Monaten erfordert. Damit wird Schlotterbeck nicht nur die verbleibenden WM-Spiele, sondern auch dem BVB den Start in die neue Bundesliga-Saison verpassen.
Es ist nicht das erste schwere Verletzungspech für den Dortmunder. Erst im vergangenen Jahr hatte ihn ein Meniskusriss im linken Knie fünf Monate außer Gefecht gesetzt – ebenfalls mit der Folge, dass er den Saisonauftakt seines Vereins verpasste.
Zweiter Turnierverlust für Nagelsmann – keine Nachnominierung möglich
Besonders schmerzhaft für das DFB-Team: Schlotterbeck ist bereits der zweite Akteur, den Nagelsmann bei dieser WM verletzungsbedingt verliert. Zuvor hatte Youngster Lennart Karl (18) das Turnier aufgrund einer Muskelverletzung früh beenden müssen – für ihn konnte Nagelsmann noch rechtzeitig Assan Ouédraogo (20) nachnominieren. Für Schlotterbeck ist diese Option nun jedoch verbaut. Laut FIFA-Regularien ist eine Nachnominierung von Feldspielern nach dem ersten WM-Gruppenspiel nicht mehr gestattet; ausgenommen sind lediglich Torhüter. Der Kader bleibt damit in seiner aktuellen Form bestehen.
Rüdiger rückt in die Startelf – Anton und Thiaw als weitere Optionen
Durch den Ausfall des einzigen Linksfußes unter den deutschen Innenverteidigern verändert sich die taktische Ausgangslage für Nagelsmann merklich. Schlotterbeck war als Stammspieler gesetzt und zeichnete sich vor allem durch sein Spielaufbau aus der Abwehr heraus aus – eine Qualität, die in der modernen Spielweise des DFB-Teams besondere Bedeutung hat. Mit Rüdiger, Waldemar Anton (BVB) und Malick Thiaw (Newcastle United) stehen dem Bundestrainer zwar drei erfahrene Alternativen zur Verfügung, doch keiner von ihnen ist Linksfuß.
Im abschließenden Gruppenspiel gegen Ecuador am Donnerstag (22 Uhr, ARD und MagentaTV) in East Rutherford dürfte Rüdiger, der zuletzt hinter Schlotterbeck und Jonathan Tah zurückstehen musste, in die Startformation zurückkehren.
Nagelsmann würdigt Schlotterbeck – und lobt seinen Charakter
Bundestrainer Julian Nagelsmann fand nach Bekanntwerden der Diagnose bewegende Worte für seinen verletzten Defensivspieler: „Schlotti wird uns auf dem Platz als herausragender Verteidiger sehr fehlen, vor allem auch sein exzellenter Spielaufbau. Es hätte seine WM werden können. Wir haben gestern alle versucht, ihn aufzubauen – zum Glück ist er ein sehr positiver Typ, der schon wieder vorausblickt.“ Nagelsmann hob zudem hervor, dass Schlotterbeck vorerst im Mannschaftskreis verbleibe und auch abseits des Platzes wichtigen Einfluss ausübe. Mit Blick auf die verbleibende Defensive zeigte sich der Bundestrainer dennoch zuversichtlich: „Trotz seines Ausfalls sind wir in der Innenverteidigung mit Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw weiterhin sehr gut aufgestellt.“
Schlotterbecks zweite WM endet erneut mit Enttäuschung
Für Nico Schlotterbeck ist es bereits das zweite Mal, dass eine Weltmeisterschaft nicht nach Wunsch verläuft. Bei der WM 2022 in Katar schied Deutschland bekanntlich bereits in der Gruppenphase aus. Nun, in seinem 29. Länderspiel, muss er das Turnier verletzungsbedingt von der Tribüne aus verfolgen. Der BVB-Verteidiger meldete sich nach der Diagnose auch persönlich zu Wort und bat die deutschen Fans um ihre Unterstützung für die Mannschaft – ein Zeichen des Zusammenhalts, das im Team offenbar gut aufgenommen wurde.
Quelle: Transfermarkt
