Mang kündigt Insolvenzantrag für kommende Woche an
Der TSV 1860 München steuert auf eine der einschneidendsten Zäsuren seiner jüngeren Vereinsgeschichte zu. Auf der Mitgliederversammlung in München erklärte Vereinspräsident Gernot Mang, dass die gemeinsame Spielbetriebsgesellschaft mit Investor Hasan Ismaik – die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA – in der kommenden Woche Insolvenz anmelden müsse. Die Ankündigung markiert das formelle Ende einer über ein Jahrzehnt andauernden, von Konflikten geprägten Partnerschaft zwischen dem traditionsreichen Münchner Klub und dem jordanischen Unternehmer.
Mitglieder stimmen mit überwältigender Mehrheit für Neuanfang
Die Mitglieder der Löwen sandten dabei ein unmissverständliches Signal: Mit mehr als 1.000 Ja-Stimmen bei lediglich sechs Gegenstimmen votierten sie für die Gründung einer neuen, investorenfreien GmbH, die künftig den Profifußball des Vereins organisieren soll. Eine derartige Einigkeit ist bei den Sechzigern selten – und sie unterstreicht, wie groß der Wunsch nach einem Neuanfang ohne Ismaik im Giesing ist.
Mang zeigte sich trotz der schwierigen Ausgangslage zuversichtlich: „Vor uns liegt die größte Chance für den TSV 1860 München in vielen, vielen Jahren. Wir haben die einmalige Chance, die Zukunft unseres Vereins selbst in die Hand zu nehmen.“ Außerdem kündigte der TSV-Stammverein offiziell die Kündigung des Kooperationsvertrags mit Ismaik an.
Wie es zur Krise kam: Gekündigtes Darlehen und Zwangsabstieg
Der unmittelbare Auslöser der aktuellen Eskalation war die Kündigung eines Millionendarlehens durch Ismaik. Ohne diese Mittel konnte der Verein die Anforderungen für die Drittliga-Lizenz nicht erfüllen, was in der Folge zum Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern führte – eine sportliche und wirtschaftliche Katastrophe für einen Klub, der zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga zählt. Gegen den Abstiegsbescheid läuft beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) noch eine Beschwerde, die Erfolgsaussichten werden jedoch als gering eingestuft.
Ismaik ist seit 2011 mit einem Anteil von 60 Prozent an der KGaA beteiligt. Aufgrund der deutschen 50+1-Regel – die beim KGaA-Modell jedoch lediglich eingeschränkt greift – blieb die Stimmenmehrheit formal beim Stammverein, was wiederholt zu erbitterten Machtkämpfen führte. Relegationen, Insolvenzen und öffentliche Schlammschlachten begleiteten die Ära Ismaik dauerhaft.
Geldwäsche-Bedenken: Der eigentliche Grund für den Bruch
Präsident Mang lieferte auf der Versammlung auch eine detailliertere Erklärung dafür, warum eine einvernehmliche Lösung letztlich scheiterte. Ismaik habe auf die Einbeziehung eines weiteren, anonymen Geldgebers bestanden – über dessen Identität und Herkunft der Mittel man intern keine Klarheit erlangen konnte. Da ehrenamtliche Mitglieder des Aufsichtsrats bei möglichen Geldwäsche-Straftaten persönlich haften würden, sei eine Annahme dieser Mittel schlicht nicht vertretbar gewesen, so Mang.
Ismaik und sein prominenter Anwalt Peter Gauweiler bestreiten die Darstellung des Vereins. Der Investor beteuerte, das notwendige Kapital für die Drittliga-Lizenz sei tatsächlich bereitgelegen. Gauweiler warf dem TSV vor, die Insolvenz der KGaA bewusst zu provozieren, um den unliebsamen Investor auf diesem Wege loszuwerden. Ein Vorwurf, den Mang entschieden zurückwies.
Blick nach vorn: Kaderplanung und Traum vom Stadionausbau
Trotz der turbulenten Lage richtet der Verein seinen Blick bereits nach vorne. In rund zwei Wochen, so Mang, werde Klarheit über die weitere Vorgehensweise herrschen. „Dann werden wir mit Spielern sprechen, dann bauen wir eine schlagkräftige Mannschaft auf, die diesem Verein auf dem Platz würdig ist.“
Parallel dazu wurde am Wochenende eine Machbarkeitsstudie vorgestellt, die einen Ausbau des traditionsreichen Grünwalder Stadions auf 27.000 Plätze als realistisch einstuft. Mang stellte klar: „Das Ergebnis der Studie ist nicht Wunschdenken. Es ist machbar.“ Als Zielmarke für das Projekt wird das Jahr 2030 angepeilt.
Für 1860 München beginnt nun eine Phase der Ungewissheit – aber auch, wie Präsident Mang es formulierte, eine der größten Chancen in der jüngeren Vereinsgeschichte. Ob der Neuanfang ohne Ismaik gelingt und ob der Widerspruch beim DFB doch noch Früchte trägt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden.
Quelle: Transfermarkt
