WM 2026: Joker Undav dreht Spiel – DFB im Achtelfinale

Joker Deniz Undav trifft doppelt und dreht das Spiel gegen die Elfenbeinküste. Deutschland steht nach dem 2:1-Sieg vorzeitig im Sechzehntelfinale der WM 2026.

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Dramatische Aufholjagd in Toronto: Deutschland dreht Rückstand

Es war ein Abend, der die Nervenstärke der deutschen Nationalmannschaft auf eine harte Probe stellte – und am Ende einen neuen Helden hervorbrachte. Beim zweiten Gruppenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Toronto besiegte die DFB-Elf die Elfenbeinküste mit 2:1 (0:1) und qualifizierte sich damit vorzeitig für das Sechzehntelfinale. Es ist der erste Einzug in eine WM-K.o.-Runde seit dem Turnier in Brasilien 2014 – ein Meilenstein, der die jüngste Negativserie der deutschen Fußballgeschichte vorerst beendet.

Die Partie verlief lange alles andere als nach dem Drehbuch von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Die Mannschaft der Elfenbeinküste, bekannt für ihre physische Stärke und technische Qualität, übernahm früh die Initiative und belohnte sich mit einem verdienten Führungstor. Deutschland wirkte über weite Strecken ideenlos, das Kombinationsspiel stockte, und die Chancenverwertung ließ zu wünschen übrig. Im BMO Field herrschte zwischenzeitlich bedrückte Stille im deutschen Lager.

Undav als Matchwinner: Doppelpack in der Schlussphase

Den entscheidenden Impuls brachte nicht die Startelf, sondern der Mann von der Bank: Deniz Undav, Stürmer des VfB Stuttgart und bekannt für seine Instinkte im Strafraum, wurde eingewechselt und veränderte die Partie schlagartig. Mit zwei Toren in der Schlussphase – das entscheidende 2:1 fiel gar in der Nachspielzeit – verwandelte der 28-Jährige eine drohende Niederlage in einen packenden Sieg. Die Bilder von Undavs wilder Jubel-Geste werden noch lange in Erinnerung bleiben.

Mit nun fünf Scorer-Punkten führt Undav die interne Wertung des deutschen WM-Kaders an. Kein anderer Spieler hat bisher mehr Torbeteiligungen gesammelt. Seine Leistungen als Einwechselspieler werfen eine naheliegende Frage auf: Gehört er beim nächsten Spiel in die Startelf?

Nagelsmann zufrieden, aber selbstkritisch

Bundestrainer Julian Nagelsmann zeigte sich nach dem Schlusspfiff erleichtert und sprach der gesamten Gruppe ein Kompliment aus. Der Sieg sei verdient gewesen, erklärte der 37-jährige Trainer – nicht zuletzt wegen des unbedingten Willens, das Spiel noch zu drehen. Gleichzeitig räumte Nagelsmann ein, dass taktische Anpassungen unausweichlich seien. Die erste Halbzeit hatte zu deutlich gezeigt, dass das deutsche Pressing zu leicht auszuhebeln war und die Offensivreihe zu selten in gefährliche Positionen kam.

Die Frage, ob Undav beim nächsten Gruppenspiel von Beginn an auf dem Rasen stehen wird, ließ Nagelsmann bewusst offen. Die interne Konkurrenz sei ein Zeichen der Qualität im Kader, sagte er – eine diplomatische Antwort, die jedoch kaum verbergen kann, dass der Stuttgarter Angreifer seinen Trainer vor eine echte Entscheidung stellt.

Historische Dimension: Erste WM-K.o.-Runde seit 2014

Der Einzug ins Sechzehntelfinale ist mehr als nur ein sportliches Ergebnis – er hat symbolischen Charakter. Bei der WM 2018 in Russland schied Deutschland bereits in der Gruppenphase aus, bei der WM 2022 in Katar wiederholte sich das Debakel. Auf nationaler Ebene sorgte das frühe Scheitern für heftige Debatten über die Ausrichtung des Verbands, Spielerauswahl und taktische Konzepte. Zuletzt bei der Heim-Europameisterschaft 2024 war immerhin das Viertelfinale erreicht worden – das WM-Fluch schien jedoch festgeschrieben.

Nun, bei der auf 48 Mannschaften erweiterten WM 2026, die erstmals in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird, hat Deutschland den Bann gebrochen. Das neue Turnierformat, das eine zusätzliche K.o.-Runde – das Sechzehntelfinale – vorsieht, gibt mehr Teams die Chance, sich in der K.o.-Phase zu beweisen. Doch der Wert des deutschen Erfolgs wird dadurch nicht geschmälert: Die Mannschaft hat Charakter gezeigt, zurückgekämpft und sich in einem schwierigen Spiel durchgesetzt.

Ausblick: Deutschland mit Rückenwind ins Sechzehntelfinale

Mit dem Gruppensieg im Gepäck und Deniz Undav in Topform geht die DFB-Elf mit breiter Brust in die nächste Phase des Turniers. Der Joker hat sich zum Trumpf entwickelt – ob Nagelsmann ihn bald dauerhaft ins Spiel bringt, wird eine der spannendsten Personaldebatten des deutschen WM-Sommers bleiben. Klar ist: Deutschland ist wieder eine Turniermannschaft. Und Toronto war erst der Anfang.

Quelle: Sportschau